Bei einer Rektusdiastase weichen die beiden geraden Bauchmuskeln (Musculus rectus abdominis, auch Sixpack-Muskeln genannt) entlang der Bauchmitte auseinander. Das passiert, weil die wachsende Gebärmutter das Bindegewebe zwischen ihnen dehnt. Die meisten Frauen haben am Ende der Schwangerschaft eine gewisse Diastase, und bei vielen wird der Spalt in den ersten Monaten nach der Geburt schmaler. Geschieht das nicht, kann eine Vorwölbung bleiben, die weder Ernährung noch Training flacher machen.
Was ist eine Rektusdiastase?
Die beiden geraden Bauchmuskeln sind in der Mitte durch einen Bindegewebsstreifen verbunden, die Linea alba. In der Schwangerschaft wird dieser Streifen gedehnt und dünner. Nach der Geburt rücken die Muskeln nach und nach wieder zusammen. Manchmal bleibt das Gewebe aber gedehnt, und ein Spalt bleibt bestehen.
Anzeichen sind ein Wulst oder eine Wölbung entlang der Bauchmitte, wenn Sie sich aufrichten oder pressen, ein Unterbauch, der selbst bei gesundem Gewicht rund wirkt, und das Gefühl einer schwachen Körpermitte. Manche Frauen haben auch Beschwerden im unteren Rücken, auch wenn der Zusammenhang nicht ganz geklärt ist. Gleichzeitig kann ein kleiner Nabelbruch auftreten, also eine Vorwölbung am Bauchnabel.
So ertasten Sie einen Spalt
- 1Legen Sie sich auf den Rücken, die Knie gebeugt und die Füße flach auf dem Boden.
- 2Legen Sie die Fingerspitzen quer über die Mitte Ihres Bauchs, knapp oberhalb des Bauchnabels.
- 3Heben Sie Kopf und Schultern leicht vom Boden ab, als ob Sie einen kleinen Sit-up beginnen.
- 4Tasten Sie nach einem Spalt zwischen den Muskelrändern: Achten Sie darauf, wie viele Finger hineinpassen und wie tief er sich anfühlt. Wiederholen Sie das unterhalb des Bauchnabels.
Ein Test zu Hause ist nur ein Anhaltspunkt. Eine Physiotherapeutin oder ein Arzt kann den Spalt messen und beurteilen, wie fest sich das Gewebe in der Mitte anfühlt. Das ist genauso wichtig wie seine Breite.
Training und Physiotherapie kommen zuerst
Für die meisten Frauen ist die erste Behandlung ein Übungsprogramm, am besten unter Anleitung einer auf den Beckenboden spezialisierten Physiotherapeutin. Im Mittelpunkt stehen der tiefe Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis) und der Beckenboden, die im Zusammenspiel mit Ihrer Atmung arbeiten.
- Beginnen Sie nach der Geburt mit sanften Übungen für Beckenboden und tiefe Bauchmuskulatur, so wie Ihre Hebamme oder Physiotherapeutin es empfiehlt.
- Rollen Sie sich zum Aufstehen über die Seite aus dem Bett, statt sich gerade aufzusetzen.
- Vermeiden Sie in den ersten Wochen schweres Heben und Übungen, bei denen sich Ihr Bauch nach vorn wölbt, etwa klassische Sit-ups, bis Sie untersucht worden sind.
- Steigern Sie sich langsam. Viele Frauen bemerken in den ersten 6–12 Monaten eine Besserung.
- Halten Sie ein gesundes Gewicht und vermeiden Sie Verstopfung und starkes Pressen.
Training verbessert die Funktion Ihrer Körpermitte und verkleinert oft den Spalt. Gedehnte Haut kann es aber nicht entfernen, und eine breite oder lange bestehende Diastase schließt sich möglicherweise nicht vollständig.
Die richtige Unterstützung finden
Fragen Sie Ihren Hausarzt nach einer Verordnung für Physiotherapie mit Schwerpunkt Beckenboden, wenn der Spalt Beschwerden macht oder sich nicht bessert. Dort kann auch Ihr Beckenboden untersucht werden, der durch Schwangerschaft und Geburt ebenfalls oft betroffen ist. Nach dieser Untersuchung kann ein Rückbildungskurs unter qualifizierter Anleitung ein guter nächster Schritt sein.
Eine Rektusdiastase an sich ist nicht gefährlich. Ob Sie sie operieren lassen, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrem Chirurgen, je nachdem, wie stark sie Ihr Wohlbefinden, Ihren Alltag und Ihr Körpergefühl beeinflusst.
Wann eine Operation helfen kann
Ein Gespräch mit einem plastischen Chirurgen über eine Operation lohnt sich, wenn:
- ein deutlicher Spalt und eine Vorwölbung 12 Monate oder länger nach der Geburt trotz regelmäßigen Trainings bleiben
- Sie zusätzlich schlaffe Haut oder eine Wölbung am Unterbauch haben
- Ihre Familienplanung abgeschlossen ist
- Sie vor mindestens 6 Monaten abgestillt haben und Ihr Gewicht seit 6–12 Monaten stabil ist
- ein Nabelbruch vorliegt, der ebenfalls versorgt werden muss
Die chirurgische Korrektur heißt Plikation. Über den Schnitt der Bauchdeckenstraffung vernäht der Chirurg die Ränder der auseinandergewichenen Muskeln entlang der Mittellinie wieder miteinander. So entsteht eine festere Bauchwand. Gleichzeitig werden schlaffe Haut und Fett unterhalb des Bauchnabels entfernt, und der Bauchnabel wird versetzt. Ein kleiner Bruch lässt sich meist über denselben Schnitt versorgen.
Die Heilung entspricht der einer Bauchdeckenstraffung: 2 Nächte in der Klinik, insgesamt 8 Nächte in Istanbul, Büroarbeit nach 2–3 Wochen und Sport nach etwa 6 Wochen. Weil die Muskeln vernäht wurden, heben Sie etwa 6 Wochen lang nichts Schweres, auch keine kleinen Kinder. Planen Sie deshalb Hilfe zu Hause ein.
Und wenn Sie noch Kinder möchten?
Eine spätere Schwangerschaft kann die vernähten Muskeln und die Haut erneut dehnen und das Ergebnis teilweise zunichtemachen. Wenn Sie weitere Kinder planen, ist es meist klüger, mit der Physiotherapie weiterzumachen und eine Operation erst in Betracht zu ziehen, wenn Ihre Familienplanung abgeschlossen ist. Ihr Chirurg erklärt Ihnen, womit Sie in Ihrem Fall rechnen können.
Wann Sie zeitnah zum Arzt gehen sollten
Gehen Sie zeitnah zum Arzt, wenn Sie eine schmerzhafte Vorwölbung am Bauchnabel oder entlang der Bauchmitte haben, eine Vorwölbung, die hart wird oder sich nicht zurückdrücken lässt, oder Bauchschmerzen zusammen mit Übelkeit oder Erbrechen. Das können Zeichen eines Bruchs sein, der dringend behandelt werden muss.
Unsere Seite zur Bauchdeckenstraffung erklärt, wie die Muskelnaht in eine komplette Bauchdeckenstraffung eingebunden ist, für wen der Eingriff geeignet ist und wie die Heilung geplant wird. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie überhaupt eine Operation brauchen, kann ein Chirurg Ihre Fotos und Ihre Vorgeschichte prüfen und Ihnen gegebenenfalls raten, zuerst mit der Physiotherapie weiterzumachen.
Häufige Fragen
In den ersten Monaten nach der Geburt bessert sie sich oft, vor allem mit den richtigen Übungen. Bei manchen Frauen bleibt auch ein Jahr später oder länger ein Spalt.
Gezielte Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung können die Körpermitte stärken und den Spalt oft verkleinern. Schlaffe Haut können sie nicht entfernen, und eine breite Diastase schließt sich möglicherweise nicht vollständig.
Vermeiden Sie in den ersten Wochen schweres Heben und Bewegungen, bei denen sich Ihr Bauch nach vorn wölbt, etwa klassische Sit-ups, bis eine Physiotherapeutin Sie untersucht hat. Sie führt Sie Schritt für Schritt an anstrengendere Übungen heran.
Ja. Eine komplette Bauchdeckenstraffung umfasst meist eine Plikation, bei der die auseinandergewichenen Muskeln wieder vernäht werden. Bei MAYCLINIK ist sie Teil des Eingriffs und kein Zusatz.
Chirurgen empfehlen meist, mindestens 12 Monate nach der Geburt und 6 Monate nach dem Abstillen zu warten, mit stabilem Gewicht und abgeschlossener Familienplanung. Ihr Chirurg berät Sie zum richtigen Zeitpunkt.

Über den Prüfer
Op. Dr. Yusuf Acar
Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
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